Bolus

Bolus , griechisch bolos, „Erdscholle“.

Man unterscheidet:
1. Den weißen Bolus (Bolus alba), ein „fettarmes“ kaolinähnliches Verwitterungsprodukt des Feldspats, das u. a. als Füllstoff bei Grundierungen sowie für Keramiken (Pfeifenköpfe) verwendet wurde und daher auch Porzellanerde oder Pfeifenton genannt wird.

2. Die rötliche oder gelblichbraune Varietät, deren Farbe vom Gehalt der Eisenoxyde abhängt. Bräunliche Tonerdesilikate, z. B. aus Siena (Terra di Siena) dienten seit Beginn 16. Jh. in der Malerei als * Pigment und zur Grundierung von Tafelbildern. Besonders „fetter“ gelblichbrauner, rötlicher oder schwarzer Bolus wird als Untergrund bei der Vergoldung von Holz mit * Blattgold verwendet (Polimentvergoldung). Die schwarze Form des Bolus war besonders im  Klassizismus als Untergrund für Vergoldungen beliebt. Die Farbe des Bolusgrundes beeinflusst den Farbton des Blattgolds. Das war bereits den alten Griechen bekannt, die schon Vorformen der Polimentvergoldung kannten. Das Verfahren geriet später in Vergessenheit und wurde erst etwa seit dem 13. Jh. wieder angewendet (* Polimentvergoldung).

H. KÜHN, H. ROOSEN-RUNGE, R. E. STRAUB, M. KOLLER, Farbmittel. Buchmalerei. Tafel- und Leinwandmalerei, Reclams Handb. der künstl. Techniken, Bd. 1, Stuttgart 1988.

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